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Hauptstr. 19

Das traditionsreiche Eisenwarengeschäft besteht in diesem Haus seit 1846. Das Gebäude ist bereits das vierte, das an diesem Platz steht.

Erster Vorgängerbau

Die ersten Eigentümer lassen sich bei diesem Haus nicht mit Sicherheit so weit zurückverfolgen wie bei anderen alten Häusern der Stadt. Erst 1496 können Steffan Schwingenhamers Wittib und Jorig Mair peckh (Bäcker) sicher zugeordnet werden. Die Vorgänger lassen sich archivalisch nicht sicher belegen. Es ist aber mit Sicherheit von einer älteren Bebauung auszugehen. Auf dem Haus Konrad-Huber-Str. 2 ist 1475 ein Georg Schwingkreis genannt. Evtl. besteht hier ein Zusammenhang.

1499 sind Steffan Schwingenhamers Wittib und Michel Decker als Eigentümer geführt, 1501 Steffan Jägers Erben und Michel Deckh. Bei Steffan Jäger dürfte es sich um Steffan Schwingenhammer handeln, Jäger mag der Beruf oder der Hausname gewesen sein. 1502 sind Hanns, Enderlin und Steffan Schwingenham – wohl die Söhne – Eigentümer das Hauses, 1503 nur noch Hanns und Steffan Swingenham. 1505 wird das Haus an Jorig Buhler (vorher Hauptstr. 24) verkauft und 1508 gehört es Hans Bayr (vorher Bärengasse 2). 1509 ist kein Eigentümer mehr genannt.

Zweiter Vorgängerbau

Aus der Tatsache, dass erst 1515 mit Gall Cramer (nach Wylicil genannt Spital-Gall Kramer) ein neuer Einzeleigentümer genannt ist, wird geschlossen, dass das Haus neu erbaut worden ist. Womöglich haben die beiden letzten Eigentümer schon nur noch das Grundstück besessen. Leider liegen für die Jahre 1518-1548 keine Aufzeichnungen vor. Erst 1548 haben wir mit dem Fuhrmann Jakob Winkle (Wennckhlin) einen verlässlichen Namen. Die Schreibweise dieses Namens wechselt stark: Merckle, Mercklin, Minckh, Winckhlein, Winckhleni, Winckhlin. 1575 ist Balthas Wachtler neuer Besitzer, ab 1587 seine Witwe. 1594 gehört das Haus Martin Schweickhart, 1595 Stoffel (Christoph) Miller. 1607 geht das Haus an seine Witwe und Georg Rösch als Miteigentümer.

1610 ist Georg Rösch Alleineigentümer, 1614 seine Witwe. Jetzt ist das Anwesen erstmals beschrieben als Behausung und Stadel mit einem Wert von 375 fl. 1620 gehört das Gebäude Balthas Müller, 1623 seiner Witwe.

Neubebauung 1632

Ab 1632 ist der Koch Michael Bader, vorher Heilig-Geist-Str. 8, neuer Eigentümer. Da hier weder von einem Brau- noch einem Schankrecht die Rede ist, wird es sich hier um eine reine Speisegaststätte oder Garküche gehandelt haben. Vielleicht war Bader auch Koch in der danebenliegenden Gaststätte auf Heilig-Geist-Str. 2, deren Namen nicht überliefert ist. Bei seiner Mutter ist allerdings im Jahr 1626 ein Braurecht auf Heilig-Geist-Str. 8 eingetragen, ohne Hinweis, woher das Braurecht kam und wohin es übertragen wurde. Wegen der Wertsteigerung von 375 auf 675 fl ist von einem Neubau auszugehen.

Die Wertangaben schwanken in den nächsten Jahren deutlich: 1636 550 fl, 1651 412 fl, 1660 500 fl. Der schwankende Steuerwert lässt auf unregelmäßige Einnahmen schließen. 1677 stirbt Michael Bader, das Erbe wird aufgeteilt.

1678 gehört das Anwesen dem Schuhmacher Georg Thalhofer, der Wert wird mit 500 fl angegeben. 1692 wird der Wert auf 900 fl taxiert. 1706 übernimmt der Sohn Johannes Thalhofer das Haus, der Wert ist nur noch 450 fl. Auf dem Anwesen Zollstr. 2 ist ebenfalls ein Metzger Johann Thalhofer vermerkt. Es konnte nicht geklärt werden, ob es sich hier um denselben Besitzer oder zwei verschiedene Personen handelt. Im Inventarium beim Testament des Johann Thalhofer vom 27.09.1762 ist kein Grundbesitz mehr eingetragen, demnach dürfte das Haus schon vorher verkauft worden sein. Als Schuldner sind sowohl der benachbarte Bärenwirt als auch der Nachfolger Joseph Thoma genannt. Daher wird das Inventarium dem Haus Hauptstr. 19 zugeordnet. Johann Thalhofer stirbt am 26.09.1782, seine Witwe Anna Maria am 05.12.1786, das Erbe wird aufgeteilt.

Schon 1758 wird Josef Thoma als Metzger auf dem Haus genannt. Am 01.02.1794 übernimmt der Sohn Johann Georg Thoma die Metzgerei. Am 08.03.1804 stirbt seine Mutter, Barbara Thoma, Witwe des Joseph Thoma. Ihr Erbe wird aufgeteilt. Die Immobilie wurde schon früher überschrieben. Mit der Übergabe der Metzgerei 1819 an die nächste Generation, Georg Thoma, bleibt das Haus in der Familie, ebenso mit der nächsten Übergabe am 24.05.1837 wieder an einen Joseph Thoma.

Nach fast 100 Jahren Familienbesitz wird das Haus am 15.03.1842 an den Lodweber Georg Lutzenberger verkauft. 1845 möchte der Lodweber und Handelsmann Georg Lutzenberger sein Wohnhaus Hauptstr. 19 verkaufen und für sich aber in den Stadel eine weitere Wohnung einbauen oder das Wohnhaus behalten und die neue Wohnung verkaufen. Neben Einsprüchen der Nachbarn wegen Größe und Anzahl der Fenster sowie Lage des Abtritts sind sowohl der Magistrat als auch die Gemeinde-Bevollmächtigten gegen den Bauplan. Er stehe nicht für den Bedarf des Lutzenberger und solle eine neue Ansiedlung ermöglichen, was nicht im Interesse der Stadt liege. Lutzenberger nimmt Abstand von seinem Plan und zieht den Antrag zurück.

Am 22.08.1846 kauft Georg Kircher, Eisenhändler, das Haus von Georg Lutzenberger. Kircher baut das Haus neu auf.

Neubau 1846

Der Eisenhändler Georg Kircher hat von Georg Lutzenberger das Haus Nr. 11 gekauft, welches er neu aufbaut. Am 02.10.1846 ist Richtfest. Georg Kircher hatte nicht lange Freude an seinem neuen Haus, er stirbt am 11.05.1848. Die Georg Kircherschen Erben überlassen den Besitz ihrem Bruder Jakob Kircher. Hierzu gehört auch der ehemalige Spitalstadel in der Heilig-Geist-Str. 5. Jakob Kircher entwickelt das Geschäft zu einem der führenden Handelshäuser in Weißenhorn. 1863 baut Jakob Kircher einen Kamin im Zwischenraum zum Haus Hl.-Geist-Str. 2, um in seinem Comptoir einen Ofen aufstellen zu können.

Am 29.10.1883 übernimmt der Sohn Otto Kircher mit seiner Ehefrau Kleopha das Geschäft. Er dürfte den Laden in das Haus eingebaut haben, der 1885 auf einem Foto zu sehen ist. 1898 erneuert Otto Kircher den Spitalstadel Hl.-Geist-Str. 5. Am 19.12.1906 wird der Kaufmann Jakob Brändle, Kaufmann aus Kirchheim u. Teck, durch Heirat Eigentümer des Geschäfts. Er führt die Eisen- und Kohlenhandlung unter seinem Namen weiter.

Während des 2. Weltkriegs wurden die Keller der Häuser Hauptstr. 19 + 21 untereinander verbunden und zu Luftschutzkellern ausgebaut.

1948 werden neue Schaufenster in das Haus eingebaut. Um 1952 steigt der Schwiegersohn, Karl Jäkle, mit in das Geschäft ein und führt es später unter dem alten Namen weiter. 1959 wird das Gebäude grundlegend modernisiert. Hierbei wird das EG entkernt und zu einem großen Laden umgebaut, das gesamte EG erhält große Schaufenster, in den anderen Geschossen werden Einscheibenfenster eingebaut und alle Putzgliederungen werden entfernt, lediglich in der Traufgasse zu Hauptstr. 21 blieben sie erhalten. Um 1965 erwirbt Karl Jäkle das Haus Hauptstr. 20 hinzu und teilt sein Geschäft auf. In Hauptstr. 19 werden von nun an Haushaltswaren verkauft, der Eisenwarenhandel zieht in Hauptstr. 20.

Um 1989 wird das Eisenwaren- und Haushaltswarengeschäft Brändle aufgegeben. Das Gebäude HS20, in dem sich das Eisenwarengeschäft befand, wurde verkauft. Der Geschäftszweig Eisenwaren wurde von 3 Mitarbeitern übernommen, in das gegenüberliegende Haus HS 19 verlegt und unter dem alten Namen weitergeführt. Das DG wurde 1996 ausgebaut und mit Gauben versehen. Die 1959 eingebauten Verbundfenster wurden durch Sprossenfenster ersetzt.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
4, 5, 6, 7 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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