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Hauptstr. 15 – Bäckerei Goßner

Das Haus im Schatten des Gasthofs Hasen wird seit 1869 als Bäckerei geführt. Die letzten 100 Jahre war hier die Bäckerei Goßner. Der heutige Bau wurde 1851 nach einem Brand neu errichtet und 1965 grundlegend renoviert.

Erster Vorgängerbau

Mit Jacob und Ulrich Sattler beginnen im Jahr 1465 die nachweisbaren Eigentümer auf diesem Grundstück. Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. 1475 ist es Ulrich Sattler und Lienhardt Ziegler (nachträgl. eingefügt), der danach ab 1486 auf Wettbach 15, nach 1493 gegenüber auf Hauptstr. 16 zu finden ist. 1496 sind Ulrich und Hans Sattler die Eigentümer. Ulrich Sattler wechselt 1504 für 1 Jahr auf Heilig-Geist-Str. 8. Ein derartig kurzer Wechsel auf ein anderes Haus legt eine umfassende Renovierung nahe. Die Wohnung war wohl kurzzeitig unbewohnbar (Brand?). 1515 wurde das Haus von Sattler aufgegeben und untergeordnet bewohnt (5 einzelne Parteien!). 1517 ist das Haus nicht genannt und für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. Nachdem für diese Zeit keine Steuerlisten vorliegen, kann nicht gesagt werden, wann der Neubau des Hauses erfolgte.

Zweiter Vorgängerbau

1548 ist das Grundstück wieder bewohnt, wir nennen den Schlosser Caspar Schlosser (Name und Beruf identisch!). Ab 1559 ist seine Witwe die Eigentümerin und 1581 wohnt hier der Büchsenschmied Jörg Koller, ab 1594 seine Erben. 1595 ist das Haus wieder in den Steuerlisten nicht enthalten und erscheint erst wieder 1601. Da bis 1595 nur eine geringe Steuerlast verzeichnet wurde, wird angenommen, dass der zweite Vorgängerbau nur ein kleines Haus war, welches um 1601 abgebrochen und neu erbaut oder wesentlich umgebaut und erweitert wurde.

Neubebauung 1601

1601 wird der Kürschner Johannes Seitz auf diesem Haus genannt. Im Jahr 1614 wird sein Wert schon mit 700 fl angegeben, daher ist ein Neubau sehr wahrscheinlich. Johannes Seitz gehörte noch das Haus Günzburger Str. 11, welches an Caspar Kast verkauft wurde. 1622 macht Johann Seitz sein Testament. Ihm folgt Thomas Bentzler, der 1636 von seinen Erben als Eigentümer abgelöst wird.

Im gleichen Jahr übernimmt der Kürschner Wylhälm Wörtz das Haus. Er heiratet am 27.07.1636 Maria Doser. Bis 1651 ist der Wert des Hauses infolge des 30-jähregen Krieges bis auf 337 fl abgesunken. Als das Haus 1674 an den Glaser Balthas Bader übergeht, ist das Haus schon wieder 500 fl wert. Im Oktober 1700 gehört das Haus dem Schlosser Lorenz Stiegele.

Im Jahr 1706 wird der Bader Johann Roth als Eigentümer genannt. Er kauft am 13.11.1730 ein Höfel vom Hospital, zwischen ihm selbst und dem Pfründhaus hinter der Hl.-Geist-Kirche. Item ein Höflein von dem Hospital Cum parto perpetuo reluitionis (als Teil eines immerwährenden Gesetzes) erkaufft. 1736 ist der Barbier Johann Roth Bürgermeister. Er heiratet am 07.06.1757 Maria Braunmiller, Tochter des Martin Braunmiller in 2. Ehe. [1]Eine Familie Braunmiller ist zu dieser Zeit in Weißenhorn nicht mit Grundbesitz verzeichnet. Ein möglicher Zusammenhang könnte zu Martin Braunmiller auf Seb.-Seiler-Str. 7 (1674-1716) bestehen … Continue reading

Am 18.06.1759 wird Josef Styx neuer Eigentümer und schon 2 Wochen später am 02.07.1759 geht das Eigentum an den Schuster Josef Drexler über. Dieser schnelle Eigentümerwechsel kann nicht erklärt werden.

1766 ließ Josef Drexler von Franz Martin Kuen ein Bild des Heiligen Geistes über dem Haustor malen. Am 14.08.1766 wurde das Bild mit Kot überstrichen und zerstört, wie aus den Polizeiprotokollen zu entnehmen ist. Der Täter wurde nicht gefunden, das Bild aber auch nicht erneuert.

Joseph Drexel blieb Eigentümer bis zum 31.08.1793, als der Sattler Xaver Dreher neuer Eigentümer wurde. Am 28.06.1806 folgt ihm Franz Josef Schlafer als Sattler nach. Zum Schlaferschen Besitz gehörte auch der Stadel Obere Mühlstr. 1. Am 22.04.1825 geht das Haus protokollarisch an seinen Sohn Franz Josef Schlafer über, dem am 03.01.1836 ein Pankraz Schlafer folgt. Vom Alter her kann es sich hier nicht um einen nachfolgenden Sohn handeln, es könnte ein Bruder oder anderer Verwandter sein.

1851 ist das alte Wohnhaus des Sattlers Pankratz Schlafer abgebrannt und völlig zerstört worden.

Neubau nach Brand

1851 möchte Pankraz Schlafer sein durch Brand zerstörtes Haus wieder aufbauen. Er beantragt den Neubau eines Wohnhauses mit drei Stockwerken. Sofern er weiter auf die Hauptstr. herausrücken dürfe, täte er dies gerne. Der benachbarte Hasenwirt Anton Harder stimmt dem Neubau nicht zu, weil auf der Südseite 5 neue Fenster eingebaut werden sollen, die beim alten Gebäude nicht vorhanden waren, außerdem wendet er sich gegen die Blindfenster in der Traufgasse und den Stadel in dem Haus. Die Baukommission stimmt dem Bau unter mehreren Auflagen zu, ebenso der Magistrat. Bei der Verkündung des Beschlusses verweigert Schlafer die Unterschrift. Der Advocat Dr. Carl Barth aus Augsburg erhebt im Namen des Schlafer in einem 14-seitigen Schriftsatz Rekurs gegen diese Entscheidung. Die Regierung in Augsburg setzt in ihrer Entscheidung fest, dass der Stadelteil durch alle Stockwerke feuerfest abzutrennen ist; ansonsten wird die Entscheidung der Stadt bestätigt. Am 17.07.1851 hat Schlafer das EG und 1. OG seines Baues vollendet und entscheidet sich nun, es bei zwei Stockwerken zu belassen. Der Stadtmagistrat sieht sich aber nicht als kompetent an, von dem genehmigten Bauplan eine Abweichung zuzulassen und fordert die plangemäße dreistöckige Ausführung. Für den Fall der Nchteinhaltung droht sie gegen Schlafer und den Maurermeister Kerner ein Zwangsgeld von je 25 fl an. Die Regierung in Augsburg entscheidet, dass Schlafer nur zweistöckig bauen darf, weil keine technischen Gründe für den Zwang zur Dreigeschossigkeit vorlägen. Allerdings sei der alte Bau mit 1600 fl versichert gewesen. Wenn diese Summe durch den Neubau nicht erreicht werde, müsste die Versicherung verhältnismäßig gekürzt werden.

Schlafer scheint aber mit der Situation nicht zufrieden gewesen sein. Er tauscht am 08.03.1855 sein Haus gegen das Haus Martin-Kuen-Str. 3 des Wachsziehers Anton Kretz (Hauptstr. 10), welches dieser am 25.09.1841 von Anton Hartung gekauft hatte. Zum 22.03.1855 werden Anton und Magdalena Kretz protokollarisch Eigentümer von Hauptstr. 15. Am 22.03.1858 wird Magdalena Kretz als Witwe Eigentümerin des Hauses. Am 29.07.1862 erbt ihre Tochter Josefa das Haus.

Am 31.10.1864 wird der Chirurg (Bader) Johann Löffler Eigentümer des Hauses, ab 22.02.1866 dessen Witwe Anna Löffler.

Wieder geht das Haus an eine andere Familie. Am 10.07.1869 erwerben Anton Reiser und seine Braut Monika Birk das Haus. Anton Reiser ist Konditor von Beruf. Er verkauft am 23.07.1877 das Gebäude an den Bäcker Heinrich Pfeiffer von Kempten. Dieser baut 1877 einen neuen Backofen der Fa. Ruß und Co. ein.

Pfeiffer bleibt nur 2 Jahre in dieser Bäckerei. Am 24.11.1879 kaufen die Bäckerseheleute Johann Dauner und Ehefrau Hildegard, geb. Ritter, die Bäckerei. Dauner baut 1880 noch eine Holzremise auf der Rückseite des Grundstücks. Er bleibt immerhin bis 1894 hier. Es liegt aber ein Bauantrag aus dem Jahr 1882 vor, bei welchem ein Mathäus Bischof den Neuaufbau des hinteren Giebels beantragt. Es ist nicht bekannt, in welcher Funktion Mathäus Bischof diesen Antrag stellte.

Am 15.02.1894 kauft dann Dionys Goßner, Bäcker aus Wallenhausen, das Gebäude mit Bäckerei. Er heiratet am 04.09.1894 Anna Reißler, Seifensiederstochter. Die Familie Goßner bleibt dann bis heute Eigentümer des Gebäudes. 1927 ist Frau Anna Goßner als Witwe Eigentümerin, sie übergibt am 30.06.1930 an ihren Sohn Hans Goßner und Ehefrau Franziska, geb. Bock.

Im Jahr 1965 wird das Haus grundlegend umgebaut und modernisiert. Hierbei wird ein neuer Laden mit großem Schaufenster eingebaut, neue Einscheibenfenster kommen in die Fassade und die Fassade verliert ihre gliedernden Elemente. Während der Umbauarbeiten betreibt Goßner einen provisorischen Verkaufsstand bei der Hl.-Geist-Kirche.

Um 2003 wird die Bäckerei altershalber aufgegeben. Die Bäckerei Reißler übernimmt den Laden als Verkaufsstelle und betreibt ihn bis 2019. Zuvor war der Laden nochmals modernisiert worden. Nach 2 Jahren Leerstand zog die Eisdiele ‚Io et Lei‘ von der Hauptstr. 23 hierher um und konnte sich so vergrößern.

Quellen:

Quellen:
1 Eine Familie Braunmiller ist zu dieser Zeit in Weißenhorn nicht mit Grundbesitz verzeichnet. Ein möglicher Zusammenhang könnte zu Martin Braunmiller auf Seb.-Seiler-Str. 7 (1674-1716) bestehen oder zu einer Linie der Fam. Braunmiller auf Hauptstr. 22 (bis 1707).

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