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Fuggerstr. 3+5 – ehem. fugg. Schweizerei

Auf dem Gelände des Fuggergartens betrieben die Fugger auch eine Landwirtschaft. Hierzu erbauten sie auch eine Schweizerei zur Käseherstellung. Nach deren Aufgabe entstand hieraus ein Dampfsägewerk, bevor dieses um 1900 abgebrochen und durch Wohnhäuser ersetzt wurde.

Vorgängerbau

Im Bereich dieses Gebäudes befand sich vor 1595 die sog. ‚Schmidtsche Herberge‘, welche von den Fuggern zum Bau ihres Sommerschlösschens erworben wurde. Die Erbauungszeit der Schweizerei ist nicht überliefert. Das
Walmdach und die Gestaltung nach der Planzeichnung von 1865 lassen auf eine Erbauung in der Barockzeit, wohl um 1700 zeitgleich mit der Erweiterung des Fuggerschlösschens 1690 schließen.

Im Einwohnerverzeichnis 1786 ist das Gebäude als Fuggersche Schweizerei bezeichnet. Auf einer Zeichnung des Fuggergartens durch den Gärtner J. Micheler aus dem Jahr 1811 ist das Schweizereigebäude mit weniger Achsen als in späteren Plänen dargestellt. Trotz der etwas laienhaften Zeichnung ist anzunehmen, dass der Stallteil erst später an dieses Gebäude angefügt wurde. 1819 ist Alois Nies als Schweizereibeständer, ab 1831 Marstallpächter auf Fuggerstr. 2b registriert. Im Liegenschaftsverzeichnis ist die Schweizerei bestehend aus Wohnhaus, Stall, Stadel und Wagenremiß unter einem Dache, dann Hofraum, beschrieben.

Ab 1831 ist Roehrle Johann, Bote (Sohn des Amtsdieners Anton Roehrle, östl. Promenade 3), ab 1832 als gräfl. Pächter bezeichnet. Sein Botenhaus wurde für den Neubau Fuggerstr. 1 abgebrochen. 1843 ist Thomas Hieber als gräfl. Pächter genannt, 1858 der Gärtner Johann Micheler und ab 1858 Melchior Ganz.

Nach der Mediation 1848 zogen sich die Fugger aus Weißenhorn zurück und verkauften alle ihre Liegenschaften mit Ausnahme der Wälder. So wurde auch die Schweizerei mit Ankündigung im Ulmer Landboten vom 14.03.1863 zur Versteigerung angeboten. Jakob Laupheimer, Wagner von Günzburger Str. 10, ersteigerte die Schweizerei.

1863 stellte Johann Nepomuk Laupheimer (der Sohn) einen Bauantrag zum Neubau einer Dampfsägemühle im nördlichen Teil des Grundstücks. Es ist nicht klar, ob dieser Bau auch verwirklicht wurde. 1865 wurde der Stall zu einer Werkstätte ausgebaut. 1870 wollte J.N. Laupheimer auch noch ein Wohnhaus vor die Schweizerei setzen, ließ den Gedanken aber wieder fallen.

1882 firmiert Laupheimer als Dampfsägebetrieb und überdacht 1883 die vorher offene Kreissäge. Da er sich an dieser innerörtlichen Stelle nicht mehr entwickeln kann, baut die Fa. Laupheimer 1890 an der Illerberger Str. 20 ein neues Dämpfsägewerk. 1892 wird das Gebäude abgebrochen. Zusammen mit den Flächen der Fa. Gaiser (die das übrige Gelände einschl. des Gartenschlösschens erworben hatte, wurde der Bereich neu parzelliert und die Fuggerstr. angelegt.

Neubebauung 1900

Für die Neubebauung entwickelte die Stadt einen Baulinienplan, nach dem die Fuggerstraße angelegt wurde. Der nördliche Teil der Straße war bereits ab 1862 parzelliert und bebaut worden.

1902 wurden auf dem abgeräumten Gelände zwei neue Wohnhäuser erstellt, die heutigen Gebäude Fuggerstr. 3 und 5. Diese konnten ihr bauzeitliches Aussehen weitgehend bewahren, lediglich die Fenster wurden im Zuge der Modernisierungswelle nach dem 2. Weltkrieg als Einscheibenfenster ausgetauscht.

2006 wurde das Haus Fuggerstr. 3 auf der Grundlage einer Sanierungsvereinbarung mit der Stadt Weißenhorn saniert. Entgegen der ursprünglichen Intention wurden die Fenster jedoch als einflügelige Kunststofffenster ausgeführt.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3, 4, 5, 6, 8 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
7, 9, 10, 11, 12, 13 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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