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Der Keserturm – unbekannter Turm der Stadtbefestigung

Die Existenz des Keserturmes am Nordosteck der Stadtbefestigung ist nur durch einige historische Stadtansichten belegt, archivalische Nachweise konnten noch nicht erbracht werden. Der Abbruch erfolgte wohl schon im 18. Jahrhundert.

Obwohl der sog. Keserturm nur auf ein paar historischen Stadtansichten zu sehen ist, muss er als belegt angesehen werden. Weder in alten Texten noch in alten Plänen konnten aber bislang nähere Angaben gefunden werden.

Auf der ältesten Stadtansicht der Stadt Weißenhorn von 1555 [1]Ehrenspiegel des Hauses Österreich, Bayerische Staatsbibliothek Cgm 896; Blatt 227r. ist der Keserturm zu sehen. Nach der Zeichnung besaß er damals ein Walmdach mit 2 Zierspitzen wie auch der Wettbachturm.

Auch auf der Ansicht von 16xx ist er stilisiert dargestellt.

Im Jahr 1762 schuf der Weißenhorner Maler Franz Martin Kuen ein Altargemälde für die St.-Leonhards-Kirche a, alten Leprosenspital. Im Hintergrund dieses Gemäldes ist eine Stadtansicht Weißenhorns zu sehen, die allerdings sehr frei interpretiert ist. Dennoch lassen sich wesentliche Gebäude der Stadt einwandfrei identifizieren: Das Unter Tor, die Hl.-Geist-Kirche, die alte Stadtpfarrkirche und das Neuffenschloss. Links vom Unteren Tor ist – etwas verschwommen – ein weiterer Turm zu sehen (das Obere Tor?) und noch weiter links ein Turm, bei dem es sich um den Keserturm handeln könnte.

Eine lithographierte Stadtansicht ist 1775 datiert, auf dieser ist der Turm zwischen Unterem Tor und Hl.-Geist-Kirche nicht mehr zu sehen.

Es ist nicht dokumentiert, wann die Stadtmauer im Bereich zwischen Unterem Tor und Fugg. Kornkasten (heutiger Verlauf der Straße An der Mauer) und mit ihr der Keserturm niedergelegt wurde. Im Urkataster von 1823 ist sie bereits nicht mehr eingezeichnet. Im Akt A 125-S 18 wird im Zusammenhang mit dem Antrag auf Umbau eines Stadels An der Mauer in ein Wohnhaus ausgeführt, dass die ursprüngliche Stadtmauer abgebrochen und durch Stadelbauten ersetzt wurde. Diese mussten auf Anordnung der vormaligen churfürstl. Landes-Direction in Schwaben, welche die Abhebung der vormaligen Stadtmauern u. Verkauf der Area als bodenzinsiges Eigentum bewilligt hatte, in gleicher Höhe wie die damalige Mauer aufgeführt werden. 1806 ging das Churfürstentum Bayern im Königreich Bayern auf. Der Abbruch dieses Teils der Stadtmauer müsste demnach bereits vor 1806 erfolgt sein.

Andererseits gibt es ein 1812 datiertes Gemälde von Konrad Huber, auf dem sowohl der Keserturm als auch die Stadtmauer eindeutig dargestellt sind. Vielleicht hat Huber die Mauer damals nach demGedächtnis in das Bild hineinkomponiert, weil ihm die alte Ansicht schöner erschien als die Dokumentation des tatsächlichen damaligen Zustandes.

Leider lässt sich diese Frage (noch) nicht eindeutig beantworten und wartet noch auf eine vertiefte Bearbeitung.

Quellen:

Quellen:
1 Ehrenspiegel des Hauses Österreich, Bayerische Staatsbibliothek Cgm 896; Blatt 227r.
2, 3, 5, 6 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
4 Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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