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Der Hauptplatz um 1890

Dies ist das älteste Foto des Hauptplatzes. Es wurde um 1890 aufgenommen. Das Foto gibt es gleich zweimal. Es wurde vom selben Standort aus aufgenommen, aber ein Foto ist rechts und unten beschnitten. Ein weiteres historisches Foto zeigt den Platz um 1910

Fotos 1890

Der Blick geht vom südlichen Ende des Hauptplatzes nach Norden. Der Fotograf dürfte im Obergeschoss des Gasthofs Lamm gestanden haben. Die beiden Giebelschatten am rechten Bildrand müssten von den Häusern Hauptplatz 4 und 5 stammen. Da die Bäume noch kein Laub tragen, dürfte das Foto wohl im März aufgenommen worden sein.

Der Name des Fotografen ist nicht bekannt. Das Foto ist registriert unter dem Begriff ‚Kartoffelmarkt‘. Ein spezieller Kartoffelmarkt ist in der Marktordnung eigentlich nicht vorgesehen. Es sind einige Säcke auf dem Bild zu sehen, die teilweise an die Bäume gelehnt wurden. Marktstände sind im Bereich des Oberen Tores bis zur Östlichen Promenade zu sehen. Auch vor dem Brunnen sind Säcke aufgestapelt. Auf den Marktständen werden offenbar auch andere Waren als Kartoffel verkauft, genau lassen sich die Waren aber nicht bestimmen.

Die Fläche des Platzes ist vollständig ungegliedert und noch nicht befestigt. Nur am unteren rechten Bildrand sehen wir eine Pflasterzeile, die vermutlich der Wasserführung von den östlichen Häusern weg diente. Nicht mehr auf dem Bild zu sehen ist die südliche Rinne, die das Wasser zusammenführte und in die Illerberger Str. ableitete.

Die ‚Friedenslinde‘ in der Mitte des Bildes vor dem Brunnen wurde nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gepflanzt, war zum Aufnahmezeitpunkt also zwischen 15 und 20 Jahre alt. Da die Bäume noch kein Laub tragen, dürfte das Foto wohl im März aufgenommen worden sein.

Im Vordergrund sind zwei Männer zu sehen, die dem Fotografen ostentativ einen Maßkrug (wohl vom Gasthaus Lamm) entgegenhalten.

Vor dem Rathaus steht das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71. Dieses Denkmal wurde am 06.09.1885 eingeweiht, war zum Zeitpunkt der Aufnahme also noch recht neu. Spätere Fotos zeigen das Denkmal innerhalb einer Umzäunung, die hier aber noch nicht vorhanden ist. Das Denkmal wurde am 01.12.1960 abgebrochen.

Vor den Marktständen am Hauptplatz ist ein Wegweiser zu sehen. Dieser trägt oben eine Beleuchtung. Der Schaft des Wegweisers ist zweifarbig diagonal angestrichen.

Am Eingang zur östlichen Promenade ist eine ovale Schrifttafel zu sehen. Leider lässt die Auflösung des Fotos den Text nicht lesbar erscheinen.

Das Haus Östliche Promenade 2 zeigt sich schon mit der 1888 erfolgten Aufstockung mit Mansarddach. Es weist aber keine gegliederte Fassade auf, auch ist die Fensteranordnung nicht symmetrisch. Die Fassadengliederung und das 2. Fenster im 2. OG kamen also offenbar erst später hinzu.

Das Doppelhaus Kaiser-Karl-Str. 1 / 1a zeigt sich schon in der Form, wie der westliche Teil 1880 durch Valentin Sälzle zu einem Lager umgebaut wurde. Die Fenster sind vergittert. Die östliche Hälfte des Gebäudes ist noch klar als Fachwerkbau mit auskragendem Obergeschoss zu erkennen. Das Haus wurde 1581 erbaut.

Deutlich erkennbar ist auch die enge Straßensituation der heutigen Kaiser-Karl-Str., die damals nur 4,50 m breit war.

Das Haus Fuggerstr. 1 besitzt noch die alte Einfriedung, bevor die Fuggerstraße angelegt wurde. Im Dachgeschoss ist mittig eine Fledermausgaube zu sehen, die später entfernt wurde.

Zwischen den Häusern Fuggerstr. 1 und Hauptplatz ist noch die alte Fugg. Schweizerei mit ihrem großen Walmdach zu sehen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme gehörte das Gebäude bereits Joh. Nep. Laupheimer, der es zu einer Dampfsägerei umbaute, bevor er ab 1890 an der Illerberger Str. ein neues Sägewerk baute. Der große Schornstein der Dampfmaschine ist gerade noch am rechten Bildrand zu sehen. Vor dem Gebäude stapeln sich Bretter bis zu einer geschätzten Höhe von 4 m.

Im Haus Hauptplatz 1 befand sich damals die Schmiede des Martin Hänsle, die 1878 mit einem Vordach versehen wurde.

Das zweite Bild vom selben Standort ist rechts und unten beschnitten. Es handelt sich um eine Afnahme vom selben Tag. Die Kartoffelsäcke stehen noch an der gleichen Stelle, die Personen und Karren stehen aber nict mehr an der gleichen Stelle.

Foto 1910

Ein weiteres Foto vom selben Standort wurde um 1910 aufgenommen. Einiges hat sich in diesen 20 Jahren getan.

Am augenfälligsten ist das Gebäude Kaiser-Karl-Str. 1 in der Mitte. Der östliche Teil wurde abgebrochen und der westliche Teil aufgestockt und erweitert. Er erhielt die eigenartige abgeschrägte Form und Schaufenster im Erdgeschoss. Die Kaiser-Karl-Str. ist breiter geworden.

Der Wegweiser vor dem Oberen Tor ist fort, an seiner Stelle steht jetzt ein Holzmast mit einer elektrischen Beleuchtung. Auch auf dem Haus Fuggerstr. finden wir jetzt einen Dachständer für die Stromversorgung. Die Sträucher vor dem Haus und die Linde in Platzmitte sind gewachsen.

Das Dachgeschoss des Hauses Östliche Promenade 2 ist jetzt ausgebaut und hat neue Fenster bekommen. Eine der großen Kastanien vor diesem Haus wurde wohl gefällt und die Allee in der Östlichen Promenade wurde durch kleinere Bäume verlängert.

Das Kriegerdenkmal ist mittlerweile umzäunt worden

Der Platz ist aber immer noch unbefestigt und ziemlich unbelebt. Nur eine Reihe unbekannter Kinder posieren für den Fotografen.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3, 4, 5 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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