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Der Gasthof Ochsen – Günzburger Str. 2

Der Gasthof Ochsen wurde 2017 zugunsten eines Neubaus abgebrochen. Es handelte sich um einen der ältesten Gasthöfe der Stadt und um eine der größten Brauereien. Die Brauerei ist seit 1651 nachgewiesen. Entdecken Sie eine weitere Facette der Weißenhorn Gaststättengeschichte.

Eigentlich lautet der korrekte Name der Wirtschaft ‚Zum roten Ochsen‘ im Gegensatz ‚Zum goldenen Ochsen‘ in der Memminger Str. 21. Für jenes Lokal bürgerte sich aber immer mehr die Bezeichnung ‚Schnaggele‘ ein, so dass man hier nur noch vom ‚Ochsen‘ sprach. Der Ochsen war das Zunftlokal der Schuhmacher, Rotgerber, Schneider und
Kürschner.

Vorgängerbau vor 1651

Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. Als erster Name erscheint 1465 Crista[n] Buchler. Der Name erscheint bis 1499 in verschiedenen Schreibweisen (Behler, Büchler, Bühler) und wird 1502 von Kockler abgelöst. Ab 1507 kommt der Name Bair hinzu. Die genauen Daten können bei Interesse dem angefügten pdf-Blatt entnommen werden.

Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 wird Hans von Ulms Witwe genannt, also war ihr Mann schon vorher Eigentümer. Im Zinsbuch der Liebfrauenpfleg B 304-10 ist Hans Vischers Witib genannt. Es wird sich um dieselbe Person wie im städt. Steuerverzeichnis handeln. 1551 wird von Hans Thumens Witwe geschrieben, 1553 von Hans Thumans (Thoman, Thumben, Dumb) Witwe. 1567 heißt es dann Hansen Dumb Wittib. Die sehr uneinheitliche Namensschreibung (leider typisch für diese Zeit) erschwert eine absolut sichere Zuordnung. Im Verzeichnis 1570 ist kein Eigentümer genannt, 1502 dann Jörg Deunben Erben. Für den 08.01.1573 haben wir dann einen klaren Beleg:

Adj den 8. Januar Ano f 73ist d Erenusten Burckhart Deunber der Zeit obervogt Zur Scheur Auch seiner geliebten Hausfrau an und Kindern das Burgerrecht alhier Zu Weissenhorn vor Bürger-maister und Rath Zukauffen ge-geben worden und werden die Kinder vondschiedlich mit Namen genannt Hanns, Jheronimus, Cristoff, Burghart, Hann Jorg, Katharina, Maria und Johanna und gibt er für sein Liegende Gurtten alhier zu Steuer mer von weg Andrest seines ver-mögens Jharlich für alls uns alß.

1575 ist Burkhard Dumb (Deub, Deunber, Deunben, Deuben) als Eigentümer genannt, 1578 seine Witwe. Für das Jahr 1595 haben wir einen Besitzerwechsel, es ist Caspar Stattmüller, Vogt zu Zell. Dieser ist auch noch 1614 verzeichnet, der Besitz wird mit ‚Behausung, Hofraithen, Stadel und Garten, Wert 2600 fl‘ beschrieben. 1623 erscheint Maximilian Fraydens Witwe, aber ohne einen Hinweis darauf, wo dieser Name herstammt. 1636 steht Frau Maria Fraydin Erben mit einem Wert von 1300 fl in der Steuerliste. Der Wertverlust gegenüber 1614 dürfte auf den 30-jährigen Krieg zurückzuführen sein. Der Baubeschrieb [Behausung, Hofraithen, Stadel, Garten] ist im Steuerbuch gestrichen, es ist anzunehmen, dass das Haus abgebrochen wurde.

Neubebauung 1651

Im Jahr 1651 tritt jetzt der Bräuer Andreas Roth auf, der Wert wird mit 1050 fl angegeben, samt der neuerbauten Braustattgerechtsame. Demzufolge wurde der Gasthof neu gebaut und auch erstmals als Brauereigasthof betrieben. Es ist zwar in den Akten nicht vermerkt, aber es liegt die Vermutung nahe, dass Andreas Roth auch zur Bräuerdynastie Roth gehörte, die in Weißenhorn mehrere Brauereigaststätten betrieb.[1]Anton Roth Andreas Roth gehörte eine zeitlang auch das Haus Hauptstr. 5. 1672 übernimmt sein Sohn Peter Roth die Stadtwirtschaft Hauptstr. 28, indem er die Witwe Catharina des Johann Nusser heiratet. 1689 stirbt Andreas Roth, das Erbe wird aufgeteilt. Es übernimmt der Sohn Hans Roth als Bräuer, der mit einer Tochter des Sonnenwirts Seitz verheiratet war.

Hans Roth stirbt 1692. Seine Witwe übernimmt den Besitz. Der Sohn Johann führt die Sonne, der Sohn Anton übernimmt 1706 den Ochsen in der Günzburger Str. 2. Am 30.03.1713 stirbt auch Johann Roth, das Anwesen Sonne wurde 1706 verkauft.

Am 10.11.1706 kauft der Bräuer Anton Roth das Anwesen von seinem Vater (bzw. seiner Mutter) für 1300 fl. Dem Anwesen wird ein weiterer Bauplatz im nördlichen Hofbereich gegen den Pflugwirt, GZ04, zugestanden. Item Eine Hoffstadt im Hoff geg Mathes Fahrenschon, Preuer. 1716 wird ein Stadelneubau erwähnt. Am 16.08.1734 kauft Anton Roth das Haus Hauptstr. 10 und setzt sich dort zur Ruhe. Er stirbt am 18.06.1744. Der Brauereigasthof wird am 03.09.1734 von seinem Sohn Josef Roth übernommen, samt 5 Roß, 1 Füllen, 10 Kühe, 2 Wagen, Karren, Geschiff und Geschirr, Bräukessel, Branntweinhafen, Bräugeschirr, 5 Schweine, 1200 Mittle Malz, 120 Klafter Tannenholz um 9644 fl. Josef Roth heiratet die Jungfrau Maria Anna Frank von Thannhausen.

Joseph Roth stirbt im Jahr 1752. Seine unmündigen Kinder Bartholomä, Ursula und Thaddä erhalten eine Waisenpflegschaft. Mit Eintritt der Volljährigkeit kauft Bartholomä Roth von seinem Vermögen das Haus MM13.

Der Pfleger der Kinder wird im Steuerbuch weiterhin als Joseph Roth Oxenwürth bezeichnet. Der Pfleger stellt einen ungenehmigten Ausguss in den Stadtgraben her, der von der Stadt geduldet wird. NB Wobey zu merckhen das der Außguß Von seiner Kuchl in den stadtgraben Von EE Rath widerruflich Vergnüßiget, folgl. keine servitut zu provaliren.

Ohne genaue Nennung eines Datums wird in den 1760er-Jahren Christian Harder als Ochsenwirt Eigentüme von Behausung, Hofraiten, Stadel und Garten samt der Bräustatt im Haus 1450 fl. Item Eine Hoffstadt im Hoff gegen Andreas Wünckhle, Wert 50 fl. Von Harder ist nicht bekannt, wo er herkam und ob hier irgendwelche Beziehungen zu anderen Weißenhorner Bürgern bestanden. Am 25.04.1789 folgt Thomas Merzler und am 15.05.1789 Lorenz Gollmützer.1819 ist Thomas Nespler als Bräuer, vermutlich als Pächter, auf dem Lokal, denn am 05.10.1820 übernimmt der Bräuer Mathias Gollmützer in der väterlichen Teilung den Gasthof. Seine Schwester Antonia Barbara heiratete am 09.05.1816 Joh.Nep. Hartung, den Enkel des Adlerwirts Michael Hartung, der die Löwenwirtschaft seines Vaters übernahm.

Um die Jahrhundertwende wurde eine Kegelbahn in den Garten gebaut, die im Urkataster 1823 bereits eingetragen ist; das genaue Baujahr ist unbekannt. 1828 baut Mathias Gollmitzer in der Röslestr. 2 ein Fasshaus als Sommerbierkeller über einem älteren Keller des Kapuzinerklosters.

Am 15.02.1840 kauft Josef Sälzle von Witzighausen den Ochsen. 1863 will der Ochsenwirt Joseph Sälzle auf der Ostseite einen Anbau an seinen Stadel aufführen und die Eingangstreppe zur Gastwirtschaft umbauen. Der Stadelanbau soll in gleicher Form wie der schon früher ausgeführte Anbau im Südosten erfolgen. Der Gaststätteneingang soll mit 5 Stufen erfolgen, von denen drei Stufen auf die Straße herausreichen. Der Magistrat gestattet die Eingangstreppe bis zu einer max. Tiefe von 3′ (88 cm) auf die Straße. 1872 brannte der alte Stadel des Gasthofes ab. Es wurde, etwas versetzt nach Osten, durch Jos. Sälzle ein Neubau errichtet.

Zum 26.02.1883 kaufen Johann Huber und Ehefrau Walburga, geb. Wieser den Gasthof. Am 29.10.1896 lautet die Eintragung auf Johann Huber und Ehefrau Cäcilie, geb. Briechle, von Beuren. Es handelt sich hier wohl um die 2. Ehe des Johann Huber. Huber bleibt bis 1913 auf dem Ochsen.

Am 09.02.1913 erhalten Mathias und Maria Durchschein die Gaststättenkonzession. Sie wollen 1914 eine Fasshalle an der Roggenburger Str. bauen. Der Bau wird aber wegen des Eigentümerwechsels nicht ausgeführt. Am 23.04.1914 wechselt schon wieder der Wirt. Mattheus und Maria Gah erwerben die Wirtschaft.

Nach dem ersten Weltkrieg kehrt wieder Ruhe in die Besitzverhältnisse ein. Am 14.03.1919 erwirbt Narziß Konrad aus Muthmannshofen [bei Altusried] das Anwesen für 60.000 RM. Die Gaststättenkonzessioun erhielt er am 28.03.1919. Da sich die Bezahlung des Kaufpreises bis in die Inflationszeit hineinzog, wurde für einen Teilbetrag von 37.000 M eine Aufwertung beantragt. Im südöstlichen Teil des Grundstücks, wo sich jetzt das Gebäude GZ02a befindet, war ein Biergarten angelegt. Der Zeitpunkt der Anlage ist unklar, vielleicht bestand der Biergarten schon zur Zeit des Kegelbahnnaus um 1820.

Um 1919 gab auch der Stadtwirt Hauptstr. 28 seine Brauerei auf. Konrad erwarb vom Stadtwirt den Bierlagerkeller an der Roggenburger Str. 42 und verkaufte den Lagerkeller in der Röslestr. an den Spengler Strobel.

1935 wurde das Gasthaus grundlegend umgebaut. Der Eingang wurde von der Giebelseite inder Günzburger Str. an die nördl. Längsseite zum Hof verlegt. Vermutlich um 1966 wurde die Fassade durch den Einbau neuer Fenster nochmals verändert. Der Zeitpunkt der Aufgabe der Brauerei ist noch nicht ermittelt. Die Wirtschaft wurde von der letzten Wirtin noch temporär betrieben.

Im Jahr 1994 wurde ein Teil der Scheune abgebrochen und an der Stelle des ehem. Biergartens ein Wohnhaus mit Arztpraxis errichtet.

Neubau 2017

Im Jahr 2011 wurde eine Bauvoranfrage mit nachfolgendem Bauantrag gestellt mit dem Ziel, den alten Gasthof abnzubrechen, da der Eigentümer keine Möglichkeit zur wirtschaftlichen Verwendung der alten Bausubstanz sah. Stattdessen sollte eine Ersatzbebauung auf der nördl. Hoffläche als Wohn- und Geschäftshaus erfolgen. Nach einiger Diskussion wurde die städtebauliche Veränderung durch Stadt und Denkmalamt hingenommen. Im August 2017 wurde der Gasthof Ochsen abgebrochen. Der Keller wurde belassen und verfüllt, er wurde noch vor der Verfüllung aufgemessen. Der Grundriss zeigt, dass er noch vom Vorgängerbau stammt und ursprünglich eine andere Erschließungssituation hatte.

Quellen:

Quellen:
1 Anton Roth
2, 3, 4 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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