Aktuell,  Memminger Str. 7,  private Gebäude

Der Gasthof Adler – Memminger Str. 7

Den Gasthof Adler gibt es heute nicht mehr. Von 1654-2000 wurde hier eine Gastwirtschaft betrieben, bis der Altbau durch einen Neubau ersetzt wurde.

Vorgängerbau vor 1620

Eigentümer vor 1475 sind archivalisch nicht feststellbar. Als ersten Eigentümer können wir 1475 Andreas Knapp belegen, dem auch die Häuser Memminger Str. 10 und Hauptplatz 7 gehörten. Diesen finden wir hier bis 1502, gefolgt von Enderlin Schlegel und Hans Schlegel, die zuvor auf dem Nachbarhaus MM09 waren, bis 1517. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.

1548 erscheint Matheus Klayber mit Behausung und Hofraiten; Lenhart Claibers Witwe geht anschließend ins Nachbarhaus MM09. 1595 gehört das Haus Wolfgang Simon, dessen Besitz 1614 mit Behausung, Hoffraithen, Stadel, Stallungen und Garten beschrieben ist, Wert 345 fl. Nachdem im Liegenschaftsbeschrieb 1614 ein Stadel mit Stallung erwähnt wird, muss ein Stadel nach 1550 gebaut worden sein.

Neubebauung 1620

Ab 1620 ist Georg Deininger, Vogt zu Aichen, Sohn des Georg Deiningers, auf Memminger Str. 9, mit Behausung, Hofraiten, Stadel, Stallungen, Garten der Eigentümer. Erwähnt ist noch ein Stadel an der Straße, der mit 95 fl Wert angegeben wird. Der Wert der Liegenschaft steigt von 345 fl auf 1400 fl, was einen Neubau nahelegt. Georg Deiningers Vater war ab 1594 auf dem Nachbarhaus MM09 zu finden. 1620 verkauft er MM09 und baut auf MM07 ein neues Haus. 1636 ist Georg Deininger, Probst zu Mödingen, mit einem Wert von 800 fl Eigentümer.

Anfang der 1650er-Jahre wird das Haus dem Jörgenwirt (MM04) mit einem Wert von 600 fl zugeschrieben. Georg Bader hat zwischen 1636 und 1651 die Gebäude MM01, die Hälfte von MM03 und das Haus MM07 erworben. Um 1654 hat er diese Grundstücke an seinen Sohn Martin Bader überschrieben. Martin Bader bekommt das Haus von seinem Vater Georg Bader und wird 1654 auf 1600 fl Steuer geschätzt, er bekommt auch die Hofstatt (unbebautes Baugrundstück) Memminger Str. 1. Martin Bader hat wohl bei seinem Vater das Bräuerhandwerk gelernt und richtet jetzt auch hier eine Wirtschaft ein, für die er das Braurecht erhält. Im Gebäudebeschrieb ist auch ein Bräuhaus genannt, unklar ob dieses schon vorher bestanden hat oder von ihm erbaut wurde. Ab 1654 ist also auf dem Adler eine Gastwirtschaft mit Brauerei nachgewiesen.

Martin Bader starb ca. 1665. Er hinterließ die Kinder Christoph, Francisca und Franz. Franz trat in den Militärdienst ein und starb 1785. Beim Ableben der Mutter Maria Anna, geb. Seitz, war Francisca noch minderjährig, so dass für sie bis 1687 ein Pfleger eingesetzt wurde. Es liegt nahe, in Maria Anna Seitz eine Tochter des Sonnenwirts Johann Seitz zu sehen. Die Witwe des Adlerwirts Martin Bader heiratete Michael Schlaich, Bürger und Bierbrauer von Beutingen, Lkr. Schongau. Bei der Hochzeit wurde vereinbart, dass ihr Sohn Christoph Bader das Anwesen zu einem Vorzugspreis kaufen solle, falls seine Mutter vor ihrem 2. Ehemann sterben sollte. Christoph Bader übernahm aber nicht den Adler nach seiner Mutter Tod, sondern er erwarb 1684 die Traube (Kirchplatz 8), mit deren vorherigem Besitzer Balthas Weickmann er verwandt war. Michael Schlaich starb 1676, das Erbe wurde aufgeteilt und seine Witwe führte den Adler bis zu ihrem Tod 1699 weiter.

Für die nächsten 7 Jahre ist kein Nachweis vorhanden, 1706 erscheint Anton Glaz als Bräuer. Es ist nicht beschrieben, woher Anton Glaz (auch Glatz, Glotz) stammt. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei ihm um einen Sohn des Storchenwirts (RB11) Adam Glatz handelt, der 1680 die väterliche Obere Schmiede MM02 verließ und sich als Gastwirt betätigte. Anton Glatz starb am 13.05.1745. Zuvor noch übergab er die Wirtschaft an seinen Sohn Jonas Glatz, Bräuer, mit Iventar: 12 Maß und 12 halbe Maß-Zinnkannen, 5 Gastbetten, 5 Kühe, 2 Pferde, 2 Kälber, 4 große u. 8 kleine Schweine etc. um 1300 fl. Zugleich heiratete Jonas Glaz die Jungfrau Maria Miller, Tochter des Herrn Christoph Miller, Sternwirt (GZ01). Bei der Übergabe wird Anton Glatz als Mitglied des Inneren Rats u. Schwarzadlerwirt (genannt Spatzentoni), bezeichnet.

1752 starb Jonas Glatz, seine Witwe heiratete Josef Harting aus Berg, Pfarrei Türkheim. Ein Jahr später starb aber schon seine Frau, so dass er sich ein zweites Mal verheiratete, mit der ledigen Juliana Müller von Krumbach. Am 22.09.1757 starb die Tochter von Jonas Glatz, Maria. Es erbten ihr Stiefvater Josef Hartung und ihre Geschwister Ursula und Franz Glatz.

Die Ehe zwischen Joseph Hartung und Juliana Müller muss nicht glücklich gewesen sein, im Jahr 1783 ist eine der seltenen Ehescheidungen dokumentiert: Inflantia Inzwischen der [Juli]Anna Hartungin und Jos. Hartung, Adlerwirt allhier puncto alimentatione in causa Separationis quoad Thorum et Mensam [Trennung zwischen Bett und Tisch]. Josef Hartung übergibt an seinen Sohn Michael. Er hat auch noch einen gleichnamigen Sohn Josef, dessen Erbteil bis 1799 von verordneten Pflegern verwaltet wird.

Michael Hartung ist im Jahr 1786 auch als Eigentümer des Stern (GZ01) vermerkt, evtl. auch nur interimsweise. Sein Vater Joseph Hartung stirbt am 12.10.1798. Zum 15.11.1811 übernimmt Michaels Sohn, Josef Hartung, als Bierbrauer den Schwarzen Adler. Josef stirbt 1831, seine Witwe, Maria Hartung, heiratet den Bräuergesellen Veit Brechtenbreiter von Ammendingen. Dieser erhält die Konzession als Bräuer. Vitus Brechtenbreiter übernimmt den Schwarzen Adler am 17.06.1831.

Am 25.11.1839 verkauft Vitus Brechtenbreiter an Joachim Geiger, Wirt in Ried bei Behlingen. Vermutlich wurde die Brauerei zu diesem Zeitpunkt aufgegeben, denn es ist jetzt kein Braurecht mehr erwähnt. [1]Es ist nicht sicher, wie gut Joachim Geiger die Wirtschaft führte. Im Jahr 1843 ist ein Taglöhner Joachim Geiger als Mieter auf der Bärengasse 4 verzeichnet. Es ist nicht klar, ob es sich hierbei … Continue reading In den nächsten Jahren wechseln die Eigentümer häufig, am 12.06.1841 erwerben Josefa und Anton Zahn die Wirtschaft. Am 21.12.1846 kauft Anton Harder den Schwarzen Adler. Harder stammte aus Bubenhausen und hatte am 19.04.1846 die Witwe des Hasenwirts, Franziska Goßner, geheiratet. Die Ehe muss sehr kurz gewesen sein, denn schon am 24.04.1847 erscheint er als Käufer des Hasen mit einer Frau Kreszenz Harder. Hierbei könnte es sich um die Witwe des Zwischenwirts auf dem Hasen, Paul Schmid, handeln, der den Hasen am 05.01.1847 kaufte. Auf jeden Fall verkaufte Anton Harder den Schwarzen Adler bereits am 18.04.1848 wieder, und zwar an Anton und Marianna Henle. [2]Anton und Marianna Henle waren die Eltern des späteren Bischofs von Regensburg, Dr. Franz Anton von Henle (22.05.1851-12.10.1927)

1859 baut der Adlerwirt Anton Henle seine Wirtschaft um, indem er den von Westen kommenden Eingang zwar belassen, den Flur aber den Gasträumen zuschlagen möchte. Zur Erschließung der übrigen Räume erhält das Haus von Süden her einen neuen Eingang. Das Fenster des Nebenzimmers nach Norden wird vergrößert, die Fenster auf der Südseite werden etwas schmäler, aber um 1 1/2″ (4 cm) höher. Das EG-Mauerwerk im Westen soll ersetzt werden. Im OG wurde ein Saal eingebaut. Der Magistrat genehmigte das Baugesuch nach Zustimmung des Brandversicherungs-Inspektors aus Günzburg am 14.10.1859.

Auch der Familie Henle war kein Glück auf dem Adler beschieden. Sie bekamen finanzielle Probleme und gerieten in die Gant. Am 26.03.1861 kaufte der Glockenwirt Leopold Billmayer die Wirtschaft aus der Gant.

Mit einbem Schreiben vom 31.01.1862 machte Maurermeister Deibler auf den schlechten Zustand
des Gebäudes aufmerksam. Er habe zwar den Einbau des Saales durchgeführt, aber die anderen Wände des Hauses seien weiterhin schadhaft.

Im Jahr 1875 war ein Mathias Ganser hier gemeldet, vielleicht auch nur als Mieter oder Pächter. 1877-1882 ist Michael Hörmann, Bräuer, vermutlich ein Sohn des Löwenwirts Thaddä Hörmann (MK05) als Wirt genannt. 1889 wird die westliche Umfassung am Stadel durch Jakob Bucher erneuert, und 1892 erscheint mit Josef Mayer schon wieder ein neuer Bauherr auf diesem Haus.

Die Gaststätte ging um 1903 endlich an die Gräfl. v. Mirbach-Geldern u. Egmont’schen Rentenverwaltung (Roggenburg). Die Brauerei wurde nicht weiter betrieben, die Gaststätte wurde verpachtet. Graf von Geldern ließ 1904/05 den Dachgiebel erneuern. Doch auch unter seinem Eigentum lief die Wirtschaft nicht ordentlich, die Pächter wechselten häufig. 1904 erhielt Georg Anton Rickert eine Konzession, 1905 Othmar Böck und am 09.11.1906 erhielten Alois und Josepha Haas die Gaststätte zur Pacht, die einige Jahre bleiben sollten.

Am 24.03.1905 brannte der Stadel ab. Erst 1910 baute die Gräfl. v. Mirbach-Geldern u. Egmont’schen Rentenverwaltung das Ökonomiegebäude mit Vieh- und Gaststallung wieder auf.

Im Jahr 1912 kaufte die Fam. Haas die Gastwirtschaft von der Gräfl. v. Mirbach-Geldern u. Egmont’schen Rentenverwaltung auf. Am 22.01.1912 erhielt Heinrich Haas die Gaststättenkonzession auf dem eigenen Grundstück. Ab ca. 1920 betrieb Heinrich Haas im rückwärtigen Ökonomiegebäude eine Seegrashandlung. Hierzu wurde 1921 das Ökonomiegebäude vergrößert.

Am 26.10.1923 wurde die Gaststätte an Simon Dilger verpachtet, in der Hochzeit der Inflation. Als im August 1924 von der Schwäb. Warenvermittlung das Bräuhaus KP06 neu zur Pacht ausgeschrieben wurde, pachtete er das Bräuhaus und blieb dort bis ca. 1960. Der Adler wurde dann ab 14.08.1924 kurzzeitig wieder von der Fam. Haas geführt und am 19.12.1924 an Jehle verpachtet.

Vermutlich im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise ging auch diese Gaststätte an die Bürger- und Engelbräu AG, Memmingen, über, 1932 ist die B&E im Adressbuch als Eigentümer eingetragen. 1932 bewarb die Bürger- und Engelbräu AG Memmingen den Bierausschank in der Adlerwirtschaft. Die Gaststätte führte ab 02.02.1934 Andreas Kappelmayer, nach dem Krieg Elisabeth Kappelmaier bis 1968.

Im Jahr 1969 wurde der Gasthof durch die B&E saniert und die Fassade vereinfacht. Hierbei wurde am Westgieble eine rautenförmige Verzierung in den Putz eingearbeitet. Danach wurde der Adler in Form einer Pilsstube weiter betrieben. 1989 wurde das Rückgebäude abgebrochen und die Fläche im Zusammenhang mit dem Neubau Schulstr. 12 mit einer Tiefgarage unterbaut.

Neubau 2000

Zur Jahrtausendwende waren dann auch die Tage das alten Adler gezählt. Das Gebäude wurde verkauft, abgebrochen und durch einen angepassten Neubau ersetzt. Obwohl das Gebäude eigentlich unter Denkmalschutz stand, wurde es letztlich doch nicht mehr als so denkmalwürdig eingeschätzt und dem Abbruch zugestimmt. Es konnte aber eine der Situation entsprechende angepasste Gestaltung erreicht werden. Zur Verbesserung der Fußgängersituation wurde der Gehweg im EG unter Arkaden geführt. Zum 01.02.2002 zog das Schuhgeschäft Hopp von Hauptplatz 7 nach hierher um.

Quellen:

Quellen:
1 Es ist nicht sicher, wie gut Joachim Geiger die Wirtschaft führte. Im Jahr 1843 ist ein Taglöhner Joachim Geiger als Mieter auf der Bärengasse 4 verzeichnet. Es ist nicht klar, ob es sich hierbei um dieselbe Person handelt.
2 Anton und Marianna Henle waren die Eltern des späteren Bischofs von Regensburg, Dr. Franz Anton von Henle (22.05.1851-12.10.1927)
3, 4, 5, 6 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.