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Das Haus Heilig-Geist-Str. 2

Das heutige Haus Heilig-Geist-Str. 2 wurde vermutlich 1706 erbaut. Davor bestand an dieser Stelle eines der ältesten Gasthäuser und Brauereien der Stadt. Hiervon ist heute nichts mehr zu sehen. Tauchen wir ein in die Geschichte.

Vorgängerbauten

Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. Ab 1465 ist ein Haintz Claus und sein Sohn Hans Claus. genannt. Auch auf Hauptstr. 28 ist ein Hans Claus genannt. Es ist nicht zu klären, ob es sich hierbei um dieselbe Person handelt. 1475 ist Hans Claus auch das Haus Illerberger Str. 3 zuzuordnen. Die Familie Claus ist an diesem Ort bis 1517 nachzuweisen, für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 nennt man Jacob Beckh, dem auch die Häuser Hauptstr. 3+5 gehören.

Neubebauung 1556

Mit dem Jahr 1556 beginnt die Geschichte der Brauerei an diesem Ort. Leider ist an keiner Stelle ein Name dieses Gasthauses genannt, so dass man ihn nicht genauer benennen kann. Hans Leichtle, Biersieder; wird erstmals an diesem Ort erwähnt, es war wohl ein Neubau. Hans Leichtle gehörte von 1556 bis 1570 auch das Gebäude HS21 (Gasthaus Bären). Es wird angenommen, dass sich nur hier eine Brauerei befunden hat. Der Bären wird erst ab 1660 durchgehend als Bräustatt erwähnt. Vor 1556 ist Hans Leichtle am Ende der Liste der Stadt größeren Orts, zusammen mit weiteren wohlhabenden Bürgern angeführt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um Eigentümer einer Vorgängerbebauung des Bräuhauses Kirchplatz 6. Leichtle lässt sich am Kirchplatz bis 1551 zurückverfolgen.

Es wird angenommen, dass es sich bei diesem Neubau um einen langgestreckten, traufständigen Baukörper gehandelt hat, bei welchem im Ostteil die Gaststube und im Westteil der Stadel und das Bräuhaus war. Vor dem 18.Jhdt. war kein Bedarf nach einem Garten in der Stadt. Das Gärtlein dürfte erst im Zuge des barocken Neubaus 1706 angelegt worden sein.

Hans Leichtle (hier Leuthl geschrieben), wird ab 1572 nur noch als Eigentümer dieses Grundstücks geführt, das Gebäude HS21 wurde an Conrath Mayer verkauft. 1595 ist Hans Mayer als Miteigentümer aufgeführt, ab 1598 ist Mayer als Biersieder genannt und Alleineigentümer. 1614 geht die Brauerei in den Besitz von Hans Roth über, vermutlich ein Sohn des Georgenwirts Bernhard Roth, Memminger Str. 4, der ab 1636 in der Nachfolge seines Vaters auch Bürgermeister war. Von 1604-1614 ist sein Bruder Bernhard Roth jung auf der Georgenwirtschaft MM04 genannt.

Hans Roth stirbt 1669, das Erbe wird aufgeteilt. 1674 wird Mathes Roth als Eigentümer genannt. Ab diesem Jahr ist ein Bräuhaus aber nicht mehr erwähnt. Da auch der Steuerwert von 600 auf 400 fl herabgesetzt wurde, kann angenommen werden, dass ab jetzt kein Braurecht mehr bestand bzw. dieses auf ein anderes Haus umgeschrieben wurde. Es ist auch nicht klar, ob das Bräuhaus abgebrochen wurde oder als nicht gesondert aufgeführter Stadel weiterverwendet wurde. Nach Wylicils Angaben wurde das Braurecht auf den Gasthof Löwen, Martin-Kuen-Str. 5, umgeschrieben. Diese Angabe konnte aber noch nicht verifiziert werden. Am 01.07.1680 machte Mathias Roth sein Testament, ausgefertigt in Oberhausen. Es ist anzunehmen, dass Roth seinen Besitz verkaufte und sich nach Oberhausen aufs Altenteil zurückzog.

Mit dem 16.08.1679 ist der Metzger Hans Amann Eigentümer geworden. Er könnte aus Grafertshofen gewesen sein, denn im Steuerbuch werden noch zwei Hofstätten und 5 Gärten in Grafertshofen erwähnt.

Neubau 1706

1706 ist Amann noch Eigentümer, der Steuerwert wird auf 550 fl heraufgesetzt. Es könnte sich daher um einen Neubau oder einen Umbau unter Verwendung des alten östl. Wohnteils handeln. Ohne nähere bauforscherische Untersuchungen kann diese Frage nicht geklärt werden.

Am 23.02.1712 verheiratet sich der Metzger Johann Laupheimer von Ay mit Maria Amann und wird Bürger. Bei Maria Amann könnte es sich um die Witwe oder eine Tochter handeln. Am 12.06.1742 heiratet Joseph Laupheimer (der Sohn?) Veronika Rieger, Tochter des Müllers Vincent Rieger aus Mindelheim. Vom 19.12.1769 an ist der Zeugmacher Johann Laupheimer als Eigentümer geführt und ab 31.10.1782 Sebastian Baur, welcher am 09.02.1786 stirbt. Das Inventarium der Erbschaft wird im Akt unter Joh. Laupheimer geführt, weil Seb. Baur die Witwe des Joh. Laupheimer geheiratet hatte. Das Erbe blieb folglich in dieser Familie; das Haus wurde anschließend verkauft.

Als Käufer tritt am 10.03.1786 Dr. Geiger von der Memminger Str. 10 auf. Dr. Geiger übergab ungefähr zu dieser Zeit auch die Apotheke an Franz Paul Böhme. Es ist nicht zu klären, ob Dr. Geiger dann weiter in MM10 wohnte oder hierher aufs Altenteil ging. Als Bewohner ist im Einwohnerverzeichnis der Landschützer Joseph Stöferle genannt, dieser war vermutl. nur Mieter. Als relativ sicher kann angenommen werden, dass die nächste Bewohnerin, Genofeva Fetsch, ehem. Lammwirtin HP07, Eigentümerin war, denn sie hatte gerade Ihre Gastwirtschaft verkauft. Genoveva Fetsch stirbt am 16.03.1800, das Erbe wird aufgeteilt. Über die Erbsteuer entsteht ein umfangreicher Schriftverkehr.

Mit dem Gürtler Augustin Gölzel beginnt am 29.10.1800 die bis heute andauernde Tradition der Schmuck- und Goldwarenhersteller, Juweliere und Uhrmacher auf diesem Haus. Auf Augustin Gözel folgt am 12.09.1805 Xaver Baur, am 14.142.1833 Josef Göppel. Dieser erweitert 1842 die Holzremise im nordwestlichen Teil seines Gebäudes zu einem vollwertigen Anbau, den er 1856 noch einmal erweitert. Es handelte sich im Wesentlichen um einen Neubau. Dieses Gebäude ging um 1890 in den Besitz des Bärenwirts Mayer über. Mayer brach den querstehenden Stadel ab und verlängerte das vorhandene Gebäude nach Osten (heute Bebauung Bärengasse 1a-1c).

Um 1853 wollte Joseph Göppel eine neue Gartenmauer bauen und bot der Stadt eine Teilfläche seines Grundstücks zur Verbreiterung und Verschönerung der vorbeilaufenden Gasse (Heilig-Geist-Str.) an. Er verlangte hierfür 150 fl Entschädigung. Der Magistrat stimmte zu, die GB wollten aber nur 125 fl zahlen. Nach einigem Schriftwechsel gingen die GB auf den geforderten Preis ein.

Am 31.08.1875 werden die Goldarbeiterseheleute Josef und Therese Oberbigler Eigentümer des Gebäudes, am 17.03.1885 gefolgt von Friedrich Weißenhorner, Goldarbeiter. Aus dieser Familie stammen auch die Gebrüder Kurz, die um 1905 die Goldwarenfabrik Bahnhofstr. 11a erbauten. Die Familie Weißenhorner war bis 1934 Eigentümer des Gebäudes, gefolgt von Valentin Hörmann, dessen Nachkommen noch heute den Schmuckladen betreiben.

1950 wurden neue Schaufenster eingebaut, 1973 die Werbeanlage erneuert. Leider ist noch kein Foto dieses Gebäudes im alten Zustand vor 1950 bekannt geworden.

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